„Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt.“

Theory of Reality Publication, Reality of Art Exhibition, Thomas Rosenthal, Artist, Künstler, Publikation, Aussstellung

Credit: NASA, ESA, ESO, D. Lennon and E. Sabbi (ESA/STScI), J. Anderson, S. E. de Mink, R. van der Marel, T. Sohn, and N. Walborn (STScI), N. Bastian (Excellence Cluster, Munich), L. Bedin (INAF, Padua), E. Bressert (ESO), P. Crowther (Sheffield), A. de Koter (Amsterdam), C. Evans (UKATC/STFC, Edinburgh), A. Herrero (IAC, Tenerife), N. Langer (AifA, Bonn), I. Platais (JHU) and H. Sana (Amsterdam)


Kapitel 1 – Die Vorraussetzungen

Die völlig anderen Vorraussetzungen auf dem Weg zur Entdeckung des größten und am tiefsten in der Natur verborgenen Geheimnisses.

1.1Der Verlust der Stille

Das, was Sie gerade noch unter den Begriffen „Kunst“, „Formen“ und „Farben“ verstehen, ist für mich überlebensnotwendig. Und das sagt Ihnen kein Künstler, der nur seine Beziehung zur Kunst, den Formen und den Farben dramatisieren will.

Im Alter von 17 Jahren erlitt ich durch einen beidseitigen und hochfrequenten Tinnitus den Verlust der Stille. Dieser Ton raubte mir meine gesamte Lebensfreude. Die Lebensfreude, die zuvor die Quelle meiner Kunst war. In den folgenden vier Jahren existierte für mich nichts anderes als die Qual des feindlichen Tones.

1.2Das Ende vor Augen

Mit der letzten Lebenskraft die ich nach diesen vier Jahren noch in mir hatte erschuf ich eines Tages ein digitales Kunstwerk. Und da war er, dieser magische Moment, indem ich feststellte, dass ich in der vergangenen Stunde kein einziges Mal den feindlichen Ton wahrnahm. Was war da passiert?

Die gezielte Fokussierung auf visuelle Reize lenkte meine gesamte Aufmerksamkeit vom auditiven Cortex in den visuellen Cortex.

Die Kunst, die Formen und die Farben waren meine Befreiung von den Qualen des feindlichen Tones. Eine Befreiung die nur existierte wenn ich mich völlig auf die Kunst, die Formen und die Farben konzentrierte.

1.3Der Nebeneffekt

Bei einem professionellen Geiger ist der Bereich in seinem Gehirn stärker ausgeprägt, der für die motorischen Fähigkeiten seiner linken Hand zuständig ist. Was nicht bedeutet, dass ein Geiger besser und stärker greifen kann. Es geht darum, dass das musikalische Empfinden des Geigers die Bewegung seiner Hand übernimmt. Wie funktioniert das?

Wenn Sie einen Apfel vom Tisch nehmen ist es ja nicht so, dass Sie denken: strecke den Arm nach vorne, öffne die Hand, greif zu und zieh den Arm wieder zurück. Sie müssen nur die Entscheidung treffen den Apfel zu nehmen. Alles andere passiert völlig unbewußt in den dazu angelegten Stukturen im Gehirn.

Diese Strukturen bilden sich durch unzählige Wiederholungen. Der Geiger fühlt einen Ton und seine Hand führt aus, was diesen Ton hervorbringt. Sein musikalisches Empfinden wurde durch neue Strukturen mit seiner Handmotorik verknüpft.

Doch dies ist nicht der Einzige Nebeneffekt. Der auditive Cortex ist der Bereich im Gehirn der für die Verarbeitung von Tönen zuständig ist. Auch dort existieren Strukturen. Im Normalbetrieb erfüllen Sie die Aufgaben die an sie gestellt werden, wir nehmen die Geräusche unserer Umwelt wahr.

Der Geiger hingegen verfügt über ein weitaus senisbeleres Gehör, denn auch im auditiven Cortex bilden sich neue Strukturen. Über Jahrzehnte hinweg beurteilt und optimiert der Geiger fokussiert seine Töne. Die Strukturen die sich dabei bilden ermöglichen es ihm kleinste Nuancen der Töne wahrzunehmen. Er entwickelt Fähigkeiten über die ein Mensch im Normalbetrieb nicht verfügt.

Diese Fähigkeiten schaffen einen Kreislauf der das gesamte Verständnis des Geigers zur Musik auf ein sehr hohes Niveau hebt.

Auch der visuelle Cortex ist in der Lage neue Strukturen zu bilden. Als Ergebnis liefern neue Stukturen im visuellen Cortex eine gesteigerte visuelle Wahrnehmung. Doch durch was bilden sich dort neue Stukturen?

Wenn jemand 10 Jahre lang 14 Stunden pro Tag vor dem Fernseher sitzt ändert sich dadurch nichts an den Strukturen. Denn sein visueller Cortex arbeitet im Normalbetrieb in dem er in seinen angelegten Strukturen visuelle Reize verarbeitet. Es muss also etwas sein, was nicht zu seinen gewöhnlichen Aufgaben gehört.

Es ist die Kopplung mit dem Empfinden für die Kunst, die Formen und die Farben.

Die Formen können groß und leicht oder klein und schwer sein.
Die Formen können auch groß und schwer oder klein und leicht sein.
Die Formen können alle Formen annehmen.
Die Formen können alles Beschreiben.
Die Formen sind die Außmaße von allem was wir sehen.

Die Farben können zurückhaltend sein.
Die Farben können aufdringlich sein.
Die Farben können schwer sein oder leicht.
Die Farben können schnell sein oder langsam.
Die Farben lösen Gefühle in uns aus.
Die Farben agieren untereinander.
Die Farben vertragen sich oder nicht.

Die Kunst sieht man in Formen und Farben.
Die Kunst vereint die Formen und die Farben
Die Kunst spricht mit uns durch Formen und Farben.
Die Kunst bietet der Kunst, den Formen und den Farben die einzige existierende Unendlichkeit, die Unendlichkeit an Möglichkeiten.

Sensibilisiert man sein Empfinden für diese Phänomene bilden sich Strukturen die einen Kreislauf schaffen der die visuelle Wahrnehmung auf ein höheres Niveau hebt. Und nichts eignet sich besser dazu als die grenzenlosen Möglichkeiten der digitalen Kunst. Kein anderes Medium bietet einem einen flexibleren Einfluss auf die Eigenschaften der Kunst, der Formen und der Farben.

Man erlangt die Fähigkeit die Kunst, die Formen und die Farben viel intensiver wahrzunehmen und völlig anders zu verstehen und zu erleben.

Nach den ersten 10 Jahren, in denen ich 14 Stunden täglich mein Empfinden für die Kunst, die Formen und die Farben so intensiv und fokussiert trainierte, dass ich dabei meinen Tinnitus nicht mehr wahrnahm, entwickelten die Kunst, die Formen und die Farben ein Eigenleben. Etwas, dass keine Einbildung sondern etwas real erlebtes ist.
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Ein normal beanspruchter visueller Cortex

Sie sehen ein normales Aktivitätsmuster

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LTP – Long-term potentiation

Je stärker und länger die Synapsen feuern, desto effektiver ist ihre Übertragung. Ihre Biochemie verändert sich. Mit der Zeit werden völlig neue Rezeptoren gebildet, was wiederum die Synapsen noch effektiver macht. Außerdem wird eine große Anzahl neuer Synapsen gebildet. Das gesamte System passt sich an die besonderen Bedingungen an und entwickelt schließlich eine um ein vielfaches stärker ausgeprägte visuelle Wahrnehmung.

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Ein stark trainierter visueller Cortex

Sie sehen ein stark ausgeprägtes Aktivitätsmuster

1.3Mit einem stark trainiertem visuellen Cortex zurück in der Natur

Als ich mit dieser gesteigerten visuellen Wahrnehmung, völlig fokussiert auf visuelle Reize, das erste Mal wieder wirklich draußen in der Natur war, erlebte ich etwas für das mir schlichtweg die Worte fehlen. Wenn ich es Worte fassen könnte, wie unfassbar wunderschön, magisch und hochinteressant die Natur plötzlich für mich war, würde ich es tun.

Ich ging in der Morgendämmerung auf einem Berg an einer wunderschönen naturbelassenen Wiese vorbei. Die Sonne ging über einem Tannenwald auf und kniete mich vor das hohe Gras der Wiese. Ich zoomte mit meiner Digitalkamera durch das glitzernde, wunderschöne Farbenmehr aus Tautropfen, Blüten und Gräsern im warmen morgendlichen Lila-Rotem Sonnenschein.

Das alles strömte ganz tief durch mich und in diesem Moment begann meine zweite intensive Reise mit der Kunst, den Formen und den Farben.